Programm für Sommersemester 2010

Dienstag, 13. April, 19.00 Uhr
Sebastian Vehlken (Wien):
Synchronschwimmen. Über das Medien-Werden von Schwärmen.
Schwärme oszillieren zwischen Verteilung und Verdichtung, zwischen Vielheit und Einheit. Aus der Ferne scheinen sie als Gesamtheit erfassbar, ohne dass dadurch auf das Verhalten einzelner Schwarm-Individuen rückgeschlossen werden könnte. Und je näher man ihnen kommt, je analytischer der Blick auf sie wird, desto mehr stört ihr Bewegungsrauschen den Zugang zu einem Wissen über ihre Operationsweisen. In der Mediengeschichte biologischer Schwarmforschungen scheitern seit 1900 verschiedenste wissenschaftlich-apparative Zugänge am Nicht-Objekt Schwarm. Erst indem Schwärme als dynamische Systeme seit den 1990ern zu einem Einsatzgebiet für Computersimulationen und deren visuelle Synthetisierungen werden, wird der Zusammenhang ihrer lokalen und globalen Dynamiken klarer. In Computeranimationen kreuzt sich dabei eine Informatisierung der Biologie mit einer gleichzeitigen Biologisierung der Informatik: Während künstliche Multiagentensysteme neue Zugänge zu biologischen Schwärmen eröffnen, orientieren sich Programmierparadigmen zunehmend am Relationen-Wissen der Biologie. Diese gleichzeitige Operationalisierung von und das Operieren mit Schwärmen verdichtet ihr Rauschen zu Wissens-Figuren.

Donnerstag, 6. Mai, 19.00 Uhr
Volker Hafner (Wien):
Sinnverlust durch Komplexitätsreduktion
Die Auswirkungen des technischen Fortschritts auf das Technokratie-Tabu in Politik und Recht
Die Themenkomplexe „Recht der Gesellschaft” und „Politik der Gesellschaft” scheinen der Möglichkeit der Simulation komplexer Systeme Grenzen zu setzen. Insbesondere ethisch begründete Vorbehalte gegen den Einsatz von Technik zur Steuerung, aber auch gegen die analytische Erklärung dieser sozialen Systeme lassen sich ausmachen. Besteht hier ein „tatsächlich unüberwindbares Komplexitätsgefälle“, insbesondere in Hinblick auf soziale Systeme, für die ergebnisoffene Verfahren konstitutiv sind? Und wie steht es mit überzogenen Selbstbeschränkungen seitens der Politik und des Rechts, die diese Systeme – etwa gegenüber Organisationen der Wirtschaft – strukturell zu schwächen scheinen?

Donnerstag, 27. Mai, 19.00 Uhr
Roman Seidl (Wien):
Gentrification und ihre Modellierung
Der Einsatz von Mikro-Simulationsmodellen zur Untersuchung sozial-räumlicher Prozesse ist relativ neu. Was können solche Modelle in diesem Bereich leisten? Dieser Frage soll anhand der Untersuchung von Gentrification-Modellen nachgegangen werden.

Donnerstag, 24. Juni, 19.00 Uhr
Peter Fleissner, Manfred Füllsack (Wien):
Widerspiegelung versus Arbitrarität
Eine – mit Simulationen unterlegte – Debatte
Mapping, das Abbilden und produktive Nutzen von Regelmäßigkeiten in natürlichen, sozialen und technischen Prozessen, scheint eine Voraussetzung für die Darstellung von emergenten Prozessen zu sein. Es stellt sich die Frage, ob und unter welchen Bedingungen dieses Mapping eher den Charakter einer Abbildung besitzt, die auf einer „Ähnlichkeit“ mit dem Abzubildendem beruht, oder eher einer „arbiträren“, also willkürlichen Darstellung, die keinen Zusammenhang von Abzubildendem und Abbild vermuten lässt.
Dieser im Grunde philosophischen, aber für viele angewandte Probleme der Komplexitätsbearbeitung nicht unbedeutenden Frage soll diskursiv und mithilfe von Computersimulationen nachgegangen werden.

Referenten:
Bachhofer, Michael:  studierte Elektrotechnik, Völkerkunde und Architektur und schloss 2008 sein Studium der Ökologie mit Schwerpunk Ethnomedizin ab. Derzeit ist er auf der Suche nach einer PhD-Stelle, die ihm die Möglichkeit bietet, sich weiter mit Methoden wie SNA und FCM in einem interdisziplinären Umfeld zu befassen. Er arbeitet als freiberuflicher EDV und IT Dienstleister.

Fleissner, Peter:  geboren 1944, seit 2006 im (Un)Ruhestand von der TU Wien, wo er von 1990 bis 2006 als Ordinarius für Sozialkybernetik tätig war. Arbeitsgebiete: Informationsgesellschaft, Arbeitswerttheorie, mathematische Simulationsmodelle. Weitere Informationen unter: http://members.chello.at/gre/fleissner/default.htm.

Füllsack, Manfred : Dozent am Institut für Philosophie der Universität Wien und beschäftigt sich u.a. mit der Theorie komplexer Systeme, mit Multi-Agentensimulationen, Netzwerktheorien und dem Phänomenbereich Arbeit. Informationen unter: http://homepage.univie.ac.at/manfred.fuellsack

Hafner, Volker: Politikwissenschafter und derzeit Dissertant am Institut für Philosophie in Wien. Thema der Dissertation ist die Funktion der Erwartungssicherheit in der Weltgesellschaft. Forschungsschwerpunkte: Theorie funktionaler Differenzierung, Theorie der Weltgesellschaft, Organisationstheorie und Medientheorie.

Seidl, Roman: hat als Softwareentwickler in unterschiedlichen Projekten gearbeitet und geforscht und danach Raumplanung und Raumordnung an der TU Wien studiert. Sein Interesse gilt Transformationsprozessen in Städten und Regionen und räumlichen Simulationsverfahren und deren Anwendung.

Vehlken, Sebastian: seit 2007 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Epistemologie und Philosophie Digitaler Medien des Instituts für Philosophie der Universität Wien. Er studierte Film- und Fernsehwissenschaften, Publizistik und Wirtschaftswissenschaft in Bochum und  Media Studies in Perth. 2002 wurde er mit dem 3. Preis des Deutschen Studienpreises der Körber-Stiftung ausgezeichnet. 2005 bis 2007 war er DFG-Stipendiat im GK Mediale Historiographien in Weimar. Er arbeitet er an einem Dissertationsprojekt mit dem Titel Schwärme. Medialitäten und Politiken der Unschärfe. Weitere Arbeitsschwerpunkte sind die Theorie und Geschichte Digitaler Medien, Medien in der Biologie, und die Epistemologie der Computersimulation.

Wildenberg, Martin: studierte Ökologie an der Universität Wien und befasste sich in seiner Dissertation am Institut für Soziale Ökologie (IFF) mit der Veränderung von Sozial-Ökologischen Systemen. Seit Beginn 2010 arbeitet er für Global 2000 an der Entwicklung eines Nachhaltigkeitslabels. Darüber hinaus liegt sein Arbeitsschwerpunkte im Bereich des Schutzes von Biodiversität und im Management natürlicher Ressourcen mit dem Fokus auf partizipative Methoden und Wissenstransfer.

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