Programm für Sommersemester 2011

Donnerstag, 10. März, 19.00 Uhr:
Thomas Fent (Wien):
Demografie und agentenbasierte Modellierung
Demografische Prozesse wie z.B. Partnerwahl, Heirat, Kinderwunsch und Fertilität werden maßgeblich durch soziale Interaktionen und soziales Lernen beeinflusst. Dennoch werden in der Demografie soziale Netzwerke und die über soziale Netzwerke wirkenden Einflussmechanismen in vielen empirischen Studien vernachlässigt. Im Rahmen dieses Vortrages möchte ich zeigen, wie agentenbasierte Modelle den Einfluss von sozialen Netzwerken auf demografische Prozesse berücksichtigen können.

Thomas Fent ist Bevölkerungsökonom am Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital. Er studierte Technische Mathematik/Wirtschaftsmathematik an der Technischen Universität Wien und Betriebswirtschaftslehre an der Noordelijke Hogeschool Leeuwarden. Seine Forschungsschwerpunkte sind Altern, Produktivität und Wirtschaftswachstum sowie soziale Netzwerke, soziale Interaktionen und demografisches Verhalten.

Die Folien des Vortrags können hier heruntergeladen werden: FOLIEN DOWNLOAD

Donnerstag, 7. April, 19.00 Uhr:
Stefanie Widder (Wien):
Netzwerk-Motive und Evolution

Regulatorische Interaktionen von Genen lassen sich als sogenannte Gen-Regulations-Netzwerke (GRN) darstellen. Das sind Graphen, deren Knoten Gene und deren Kanten die Interaktion zwischen ihnen repräsentieren und die, im maximalen (hypothetischen) Falle, alle regulatorischen Kontakte einer Zelle darstellen. Solche Netze beschreiben die Maschinerie des zellulären Lebens und implementieren u.a. Entscheidungsvorgänge und Informations-Prozessierung. Die statistische Analyse dieser Objekte hat gezeigt, dass verschiedene kleine Submuster, sogenannte Motive mit einer erhöhten Häufigkeit (gemessen am Zufallsgraphen nach Erdös-Renyi) in GRNs vorkommen. Im Speziellen weist der Feed-Forward Loop (FFL), eine Klasse von Motiven, die durch die Verlinkung von 3 Genen zustande kommt, ein auffälliges Verteilungsmuster in natürlichen Systemen auf. Es scheint eine systematische Überrepräsentation von einigen Sub-Motiven dieser Klasse zu geben. Wir glauben nun dieses Verteilungsmuster unter Zuhilfenahme der Motivfunktion, der Plastizität und der Evolvierbarkeit dieser Funktion reproduzieren zu können. Wir haben dazu die gesamte Motiv-Funktions-Landschaft analysiert und kommen zu dem Schluss, dass die Häufigkeit der verschiedenen FFLs mit deren intrinsischer Kapazität zur Implementierung eines Repertoires verschiedener Funktionen, kurz mit deren intrinsischer Plastizität und deren daraus resultierenden Evolvierbarkeit korreliert.

Stefanie Widder (Dr. Mag. rer. nat.) ist Systembiologin und Univ. Ass. an der Universität Wien, Department f. Computational Systems Biology. Sie arbeitet im Bereich theoretische Chemie in Wien und Barcelona, zurzeit in der Gruppe von Thomas Rattei an der Uni Wien.

Donnerstag, 5. Mai, 19.00 Uhr:
Markus F. Peschl (Wien):

Innovation und Wissensgenerierung ermöglichen. On the Design of Enabling Spaces

In diesem Vortrag wird das Konzept der Enabling Spaces präsentiert. Also Räume, die das Generieren und Hervorbringen des (radikal) Neuen ermöglichen—wobei Räume nicht nur architektonisch/physisch zu verstehen sind, sondern ebenso eine soziale, kognitive, emotionale, epistemologische, organisationale/kultutrelle, technologische, etc. Dimension beinhalten. Die Herausforderung besteht darin, diese Dimensionen nicht isoliert zu sehen, sondern sie zu einem funktionierenden Ganzen zu integrieren. Ausgangspunkt dieses Ansatzes sind immer die Wissens-, Innovations- & Kernprozesse einer/s Organisation/Systems, die in einem komplexen Prozess zu Designpatterns (cf. C.Alexander) verdichtet werden; diese dienen als Grundlage für einen interdisziplinären Designprozess, in dem gemeinsam mit Architekten/innen, Personen aus dem Design Thinking, Soziologen/innen, etc. ein konkreter integrierter Enabling Space entsteht.

Diese Räume werden also nicht primär nach ästhetischen oder rein ökonomischen Kriterien, sondern auf der Basis von Wissens- & Innovationsprozessen, die in jedem Detail dieses Enabling Spaces verkörpert sind, gestaltet. Neben den theoretischen Grundlagen, wird auch eine Auswahl an Projekten, die mit diesem Ansatz gemeinsam mit Architekten realisiert wurden (office organization & design, Neuplanung einer Universität, Ausstellungsdesign, Learning environment design, etc…), präsentiert.

Markus F. Peschl ist Professor für Cognitive Science und Philosophy of Science am Institut für Philosophie, Research Group Philosophy of Science: Cultures and Technologies of Knowledge, an der Universität Wien. Er forschte zwei Jahre an der University of California in San Diego und 1/2 year an der University of Sussex. Seine Forschungsinteressen gelten Fragen der Kreation, Innovation und Repräsentation von Wissen in natürlichen und künstlichen kognitiven (neuronalen) Systemen, in der Wissenschaft, in Organisationen und bildungstheoretischen Settings wie auch im Kontext von Wissenstechnologien und ihrer Einbettung in soziale Systeme.

Donnerstag, 9. Juni, 19.00 Uhr:
Präsentation des Buches “Gleichzeitige Ungleichzeitigkeiten. Eine Einführung in die Komplexitätsforschung (2011 VS-Verlag)”. Der Autor stellt Themen aus dem Buch vor und diskutiert mit Gästen.

Donnerstag 16.6.2011
Manuel Wäckerle (Wien)
Evolution und Komplexität in der Ökonomie

Die evolutionäre Ökonomie gilt seit ca. 30 Jahren als etablierte, eigenständige Sub-Disziplin der ökonomischen Theorie. Im Gegensatz zur neo-klassischen ökonomischen Lehre wird Wandel in ihr endogen erklärt, das heißt die Wirtschaft wird als ein sich kontinuierlich selbst-transformierendes System verstanden. Dies legt einen Paradigmenwechsel vom mechanistischen/Newtonschen Weltbild hin zu einem evolutions- und komplexitätstheoretisch fundierten Weltbild nahe. Orientiert an diesen beiden ‘Mastertheorien’ wird der Vortrag zum einen das Verhältnis zwischen Evolution und Komplexität und ihre Eignung als Analogie oder Ontologie in der Ökonomie hinterfragen. Zum zweiten wird er die methodologische Bedeutung lokaler Regeln im Hinblick auf universale Gesetze in der ökonomischen Theorie, sowie in Lehre und Praxis thematisieren und im Hinblick darauf die Anwendung neuerer formaler Methoden (zB: Agenten-basierte Modellierung, dynamische soziale Netzwerkanalyse) in der Ökonomie diskutieren.

Manuel Wäckerle (Mag. Dr. rer.soc.oec) ist Projektassistent in der Forschungsgruppe Ökonomie an der Technischen Universität Wien. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der evolutionären, institutionellen Ökonomie sowie in der Politischen Ökonomie.

Nähere Informationen dazu finden sich auch unter http://www.univie.ac.at/iwk/ak.html#simulation

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