Programm für Sommersemester 2013

21.3.

Manuela Korber (Wien)

Agentenbasierter Modellierung von Komplexität in den Biowissenschaften – unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses öffentlicher Förderungen auf Forschungstätigkeiten

In dieser Präsentation wird ein agentenbasiertes Modell eines regionalen biowissenschaftlichen Innovationssystems vorgestellt, das es erlauben soll, die Auswirkungen von öffentlichen Fördermitteln auf Innovationen in den Biowissenschaften zu untersuchen. Die Biowissenschaften sind ein forschungsintensives Feld und haben bedeutende Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum. Industrie- und Forschungsbetriebe arbeiten in einem sehr dynamischen Umfeld, das durch rapiden Zuwachs an wissenschaftlichem Wissen und weit gestreute Kompetenzen gekennzeichnet ist. Die Innovationskraft ist entscheidend für die Konkurrenzfähigkeit von Unternehmen. Im Allgemeinen müssen Organisationen mit Unsicherheit umgehen können und beteiligen sich häufig an Forschungsnetzwerken, um dem Innovationsdruck Rechnung zu tragen. Ein hoher Bedarf an betriebsfremdem und implizitem Wissen führt zu interdisziplinären Kooperationen mit regionalen und überregionalen Partnern, welche unterschiedliche Arten des Wissensaustausches ermöglichen. Die Interaktionen der zusammenarbeitenden Akteure sind durch Rückkoppelungen gekennzeichnet, die deren Verhalten und Strategien mitbestimmen. Dabei entstehen nicht-lineare Dynamiken und Unvorhersehbarkeit. Die Dynamiken und die Komplexität im System werden durch vielfältige Abhängigkeiten zwischen den Akteuren noch gesteigert. Bestehende Modelle von Innovationsnetzwerken sollen mit der vorliegenden Arbeit erweitert werden, um Entscheidungsträgern eine Grundlage zu bieten, die Auswirkungen von unterschiedlichen öffentlichen Förderprogrammen abzuschätzen. Bei der Modellierung wurde besonders auf die Berücksichtigung empirischer Details geachtet. Für Tests und Kalibrierung wurden umfangreiche Daten über Forschungsaktivitäten, Innovationen und Leistungen von Biowissenschafts-Einrichtungen herangezogen, die für die Region Wien für den Zeitraum 1999 bis 2010 vorliegen.

Manuela Korber arbeitet am AIT – Austrian Institute of Technology. Sie beschäftigt sich unter anderem mit Innovationsökonomik, Komplexitätswissenschaften und agentenbasierter Modellierung.

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25.4.

Mark Reimann (Graz)

Modellierung und Optimierung in geschlossenen Lieferketten

 

Die Forschung zu geschlossenen Lieferketten fokussiert auf die Notwendigkeit, die traditionellen Vorwärtsprozesse wie Produktion, Lagerung, Transport mit den – durch Kundenretouren induzierten – Rückwärtsflüssen von Produkten zu koordinieren. Die Rückwärtsflüsse entstehen z.B. durch Garantievereinbarungen, Warenrücksendungen von Kunden im (Online-)Versandhandel, oder Austausch von Produkten am Ende der Nutzung (z.B. Elektrogroßgeräte). Im Vortrag werde ich zunächst die wichtigsten betrieblichen Entscheidungsprozesse thematisieren und danach Modelle zur Analyse unterschiedlicher Zusammenhänge vorstellen. Als Ausblick werde ich die Weiterentwicklung dieser Modelle in Richtung umfassenderer Betrachtungsweisen erläutern und die Verbindung zur Simulation kurz diskutieren.

Mark Reimann: Doktorat an der Uni Wien, Senior Researcher an der ETH Zürich, Associate Professor an der Warwick Business School, Professor und Leiter des Instituts für Produktion und Logistik an der Universität Graz. Forschung hauptsächlich über quantitative Optimierungsmodelle zur Entscheidungsunterstützung in der Produktion und Logistik.

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16.5.

Maximilian Mrotzek (Graz)

Geht uns das Silber aus?

Aktuell wird erwartet, dass die Bestände vieler Edelmetalle in den nächsten Jahrzehnten erschöpft sind. Oftmals werden statische Ansätze zur Untersuchung der Extraktionsprozesse verwendet, die nur ein unzureichendes Verständnis erlauben. Solche Ansätze ignorieren die entscheidenden Bestände und Flüsse, Rückkoppelungen, Zeitverzögerungen und Schwankungen in Nachfrage und Angebot. Im Unterschied dazu wird in dieser Präsentation ein integriertes dynamisches Modell vorgestellt, das den komplexen Prozess der Silberverarbeitung von der Lithosphäre (Quelle) bis zur Verteilung (Senke) mit Hilfe von System Dynamics zu erfassen sucht. Das dazu entwickelte Modell dürfte sich auch für die Analyse der Bestandsdynamiken anderer Edelmetalle eignen. Die Analyse der Ergebnisse zeigt, dass bestehende Prognosen die Verfügbarkeit von Silber unterschätzen. Die dynamische Modellierung scheint sich damit für Vorhersage zur zukünftigen Silbernutzung zu empfehlen.

Maximilian Mrotzek forscht als Post-Doc am Institut für Systemwissenschaften, Innovations- und Nachhaltigkeitsforschung an der Universität Graz, Österreich. Er beschäftigt sich unter anderem mit Fragen der Ressourcenknappheit und der System Dynamics-Methodologie.

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20.6.

Claus Rüffler (Wien)

Die Evolution von Biodiversität

Die Entstehung von Biodiversität ist ein zentrales Problem in der Evolutionsbiologie. In diesem Bereich existiert eine langanhaltende Debatte über die Frage, ob die Evolution neuer Spezies ein Nebenprodukt räumlicher Isolation unterschiedlicher Teilpopulationen ist oder ob dem Ursprung der Arten ein Adaptionsprozess zu Grunde liegt, der keine räumliche Isolation benötigt. In meinem Vortrag werde ich Modelle präsentieren, die zeigen, dass biologische Vielfalt als eine natürliche Folge der Anpassung an die Umwelt auftritt, wenn Dynamiken der Arten und ihrer jeweiligen Umwelt in ihren Wechselwirkungen berücksichtigt werden. Dazu wird der Evolutionsprozess als Vereinfachung mit einer beschränkt niedrigen Mutationsrate („adaptive dynamics“) beschrieben.

Claus Rueffler hat Biologie und Mathematik an der Universität Kiel studiert. Nach seinem PhD in theoretischer Evolutionsbiologie an der Universität Leiden war er postdoctoral fellow an der Universität Toronto. Ein Stipendium des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF)  ermöglichte ihm 2007 die Gründung einer unabhängigen Forschungsgruppe im Rahmen des Bereichs Mathematik und Biowissenschaften am Institut für Mathematik an der Universität Wien.

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